Zwei Goldene und eine Silberne bei der DM

Sieben Stuttgarter Bogenjäger bei der Deutschen Meisterschaft in Maulbronn

Die Stuttgarter Bogenjäger im SV Hoffeld.
Hinten von links: Wolf, Olaf, Lothar, Wolfram und Jens.
Vorne von links: Anja Luisa "Lu", Kerstin und Günther
Die Stuttgarter Bogenjäger im SV Hoffeld.
Hinten von links: Wolf, Olaf, Lothar, Wolfram und Jens.
Vorne von links: Anja Luisa „Lu“, Kerstin und Günther

Die deutsche Meisterschaft des DFBV des Jahres 2026 fand in der Klosterstadt Maulbronn westlich von Stuttgart statt. Sie wurde ausgerichtet vom VfS Maulbronn-Diefenbach, der auch das sehr beliebte Turnier „Goldener Oktober“ veranstaltet und dessen Mitglieder die Stuttgarter Bogenjäger im SV Hoffeld bereits seit Jahren gut kennen.

Entspannte Atmosphäre noch beim Einschießen am Vorabend: hier mit Olaf, Lu und Günther
Entspannte Atmosphäre noch beim Einschießen am Vorabend: hier mit Olaf, Lu und Günther

Sie hätten vorab schon Warnungen aussprechen können – aber das wäre sinnlos gewesen, denn es sollte die schwerste Deutsche Meisterschaft aller Zeiten werden, und da mussten alle durch. Selbst Weltmeisterschaften erreichen diese Schwierigkeitsgrad eher selten – und genau das war auch das Ziel der Maulbronner: Kleine Tierziele auf maximale Entfernungen, oft schwer einzuschätzende Entfernungen, diffizile Lichtverhältnisse – es sollte ein Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaft geben, die 2027 in Bad Waldsee in Süddeutschland stattfinden wird.

Über 350 Schützen warten, dass es losgeht
Über 350 Schützen warten, dass es losgeht

An zwei Tagen mussten alle Teilnehmer die Wettkämpfe auf zwei Parcours ausfechten. Der eine Parcours mit 28 Zielen in der Wettbewerbsform Hunter mit nur jeweils einem einzigen Pfeil; der andere Parcours mit zweimal 14 Zielen wurde jeweils zur Hälfte im Modus Doppelhunter und in einer Drei-Pfeilrunde durchgekämpft.

Schüsse auf der flachen Wiese ohne Konturen: sehr schwer einschätzbare Entfernungen
Schüsse auf der flachen Wiese ohne Konturen: sehr schwer einschätzbare Entfernungen

In den Wettkampf gingen sieben Starter vom SV Hoffeld: in der Klasse Bowhunter Recurve Kerstin (Deutsche Meisterin 2025) und Olaf Labrenz sowie Anja Luisa Riedel (Deutsche Meisterin 2025, ’24, ’21, ’20), und bei den Traditionellen Recurves traten Wolfram Hahn, Jens Asmussen, Günther Manz und Wolf-Martin Riedel an.

Die vier TRB-Recken begannen auf dem schwerem Parcours mit der Hunterrunde. Ein Pfeil bedeutet, dass ein Fehlschuss nicht korrigiert werden kann, das geht auf die Psyche bei vermehrten Nieten. Ganz schlecht lief es für Wolf, der in der Klasse der Jungen Senioren mit 176 Punkten nur als 18. aus dem Parcours kam. Viel besser für Günther, der nach verhaltenem Start schnell in seinen Lauf kam und den ersten Tag mit 238 Zählern auf dem grandiosen Rang drei beendete.

Günther (rechts) schießt über einen Graben auf ein sehr mageres Reh. Links der spätere Zweite, Werner Noe
Günther (rechts) schießt über einen Graben auf ein sehr mageres Reh. Links der spätere Zweite, Werner Noe

Mit freudig strahlenden Augen beendete auch Jens den Tag eins seiner ersten Deutschen Meisterschaft: Platz 15 mit tollen 228 Punkten bei den Herren. Gar nicht zufrieden war Wolfram mit seinen 154 Punkten und dem 34. Rang, ebenfalls bei den Herren.
Unsere BHRler dagegen durften zunächst den vermeintlich minimal leichteren Parcours schießen. Kerstin lief trotz zu wenig Training in der Vorbereitungszeit zu top Form auf und war hoch erfreut über ihr Ergebnis bei den Damen: Mit 318 Punkten konnte sie sich direkt auf die Führungsposition katapultieren und mit 27 Punkten bereits einen einigermaßen beruhigenden Vorsprung erkämpfen. Ihr Mann Olaf war bei den Herren nicht sehr zufrieden und landete mit 331 Punkten auf dem zehnten Rang.
Lu bekam es bei den Jungen Seniorinnen wieder mit ihrer größten Konkurrentin der letzten Jahre zu tun, Rosa Janwlecke, mit der sie sich seit langer Zeit immer wieder heißumkämpfte Wettkämpfe liefert. Es sollte sich wie erwartet ein extrem knapper Bewerb entwickeln. Beide trafen sehr gut, und die Führung wechselte laufend. Lu erzielte an Tag eins schließlich 336 Punkte und verfügte damit nur über einen minimalen Vorsprung von fünf Punkten. Ein Fehler, und die Führung ist weg.

Gemütliches Abend-Ambiente auf dem Gelände des VfS Maulbronn
Gemütliches Abend-Ambiente auf dem Gelände des VfS Maulbronn


Das versprach für den zweiten Wettkampftag mit vertauschten Wettkampfstätten höchste Spannung – vor allem für Kerstin, Olaf, Lu und Günther.

Nebel am Sonntagmorgen. Der Beginn musste wegen schlechter Sicht um eine halbe Stunder verschoben werden
Nebel am Sonntagmorgen. Der Beginn musste wegen schlechter Sicht um eine halbe Stunder verschoben werden

Am Sonntag durften dann die Traditionellen Recurve-Schützen in die Doppel-Hunter- und die Drei-Pfeil-Runde. Günther wusste von vornherein, was ihn erwarten sollte, zu eng saß im das Feld im Nacken. 319 Punkte bedeuteten den zehnten Tagesrang und warfen ihn auf den immer noch tollen sechsten Gesamtrang zurück, gleich in Punktzahl und Killtreffern mit Arno Blumhofer, dem bekannten Bogenbauer aus Bruchsal, und direkt vor Stefan Weckesser, dem amtierenden Weltmeister und Vizeeuropameister. Im gleichen Feld wachte Wolf endlich auf: Mit 338 Punkten wurde er Tages-Fünfter, auch er stärker als der Weltmeister, was ihn aber nur noch auf den 12ten Platz vorrutschen ließ.


Das Strahlen in den Augen behielt Jens nach dem zweiten Tag: 326 Punkte, 13ter am zweiten Tag, insgesamt Platz 16 – ein tolles Ergebnis. Er war mit sich zufrieden, die weiten Distanzen hatten bei ihm gut gepasst, nur bei den kurzen war er zu ungenau. Jens hat mit insgesamt zwölf Kills deutlich mehr als alle seinen Konkurrenten, nicht einmal der Goldmedaillengewinner Thomas Sillmann (bekannt für seine exzellenten YouTube-Videos) traf so viele. Und Jens ist sehr zufrieden mit seiner ersten Saison bei den Wettbewerben des DFBV.
Wolfram war dann ebenfalls etwas versöhnt: Mit 310 Punkten wurde er Tages-26ter und damit insgesamt 29ter.

Für die BHRler vom SV Hoffeld war am zweiten Tag der schwerere Parcours angesagt. Die Erkenntnis half Olaf wenig: Seine 150 Zähler bedeuteten Tagesrang elf, gleichzeitig sein Schlussrang. Zufrieden war Olaf trotzdem. War er doch immerhin „Fahrer seiner Frau“ (Zitat), und das sollte sich lohnen, denn ihren ersten Platz konnte Kerstin mit 216 Punkten souverän über den zweiten Tag retten: 83 Punkte Vorsprung. Platz eins und damit der Deutsche Meistertitel für Kerstin!

Für Kerstin war es ein rundum gelungenes Turnier. An beiden Tagen nette Gruppen und irgendwie ist das Turnier bei ihr so „durchgeflutscht“, wie sie meinte.

Deutsche Meisterin BHR Damen: Kerstin Labrenz (mitte), zweite Sandra Alber (links), dritte Anja Speer (rechts)
Deutsche Meisterin BHR Damen: Kerstin Labrenz (mitte), zweite Sandra Alber (links), dritte Anja Speer (rechts)

Währenddessen ging es bei Lu ebenfalls um die Wurst beziehungsweise die Goldmedaille. Auch am zweiten Tag auf dem schweren Parcours ging der nervenaufreibende Zweikampf weiter. Fast bei jedem Ziel wechselte die Führung. Gegen Ende waren Lu und ihre Konkurrentin Rosa punktgleich. Lu hämmerte ins Außenkill einer winzig kleinen Kröte, Rosa traf nur den Körper – zwei Punkte vorne. Lu hielt dieses Ziel für den letzte Schuss und freute sich bereits – doch sie lag falsch! Es sollte noch ein Ziel kommen, der kleine Elch. Rosa haute noch einmal eine glatte 20 raus, während es Lu nicht mehr schaffte, die Konzentration wieder voll aufzubauen – und sie schoss daneben. Aus – weg – die Goldmedaille am letzten Ziel durch eine Unaufmerksamkeit verloren. Aber – auch die Silbermedaille ist eine tolle Belohnung für die famosen 588 Punkte von Lu.

Deutsche Vizemeisterin BHR Junge Seniorinnen: Anja Luisa Riedel (links), Meisterin Rosa Janwlecke
Deutsche Vizemeisterin BHR Junge Seniorinnen: Anja Luisa Riedel (links), Meisterin Rosa Janwlecke


Und – eine versöhnliche Goldmedaille holte sie sich doch noch: Im Mixed-Wettbewerb, bei dem sie zusammen mit vier Schützen anderer Bogenklassen aus anderen Vereinen antrat, holte sie souverän mit riesigem Vorsprung die Goldmedaille.
Zweimal Gold, einmal Silber, sehr schwierige Parcours – die sieben Stuttgarter Bogenjäger dürfen zufrieden sein mit der Deutschen Meisterschaft 2026 in Maulbronn. Obwohl die Deutsche Meisterschaft lang und extrem anspruchsvoll war, hatten alle dabei eine Riesenfreude. Zum Schluss die Erkenntnis: Höchstes Niveau ist machbar, nur manchmal fehlt die Konstanz. Und es gibt noch einiges zu verbessern, dann kann die Weltmeisterschaft 2027 kommen – hoffentlich dann mit ebenso viel Freude.

Text: Wolf-Martin Riedel
Bilder: Kerstin Labrenz, Jens Asmussen, Wolf-Martin Riedel

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